Unternehmenskauf finanzieren: Welche Möglichkeiten gibt es?
Ein bestehendes Unternehmen zu kaufen bedeutet nicht zwangsläufig, dass der gesamte Kaufpreis aus eigenen Mitteln bezahlt werden muss. In der Praxis kann eine Unternehmensübernahme aus mehreren Finanzierungsbausteinen bestehen – beispielsweise Eigenkapital, Bankdarlehen und einer Beteiligung des Verkäufers an der Finanzierung.
Entscheidend ist jedoch nicht nur die Frage, wie der Kaufpreis bezahlt wird. Nach der Übernahme muss das Unternehmen weiterhin ausreichend Liquidität haben, um Löhne, Miete, Lieferanten, Investitionen und laufende Kosten zu tragen.
Eine Finanzierung, die gerade für den Kaufpreis reicht, kann deshalb zu knapp kalkuliert sein.
In diesem Beitrag erklären wir, welche Möglichkeiten bei der Finanzierung eines Unternehmenskaufs grundsätzlich infrage kommen und welche Punkte Käufer bereits vor dem Bankgespräch berücksichtigen sollten.
„Eine gute Finanzierung bezahlt nicht nur den Kaufpreis. Sie lässt dem Unternehmen auch nach der Übernahme genügend Spielraum.“
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Wie viel Kapital wird für einen Unternehmenskauf benötigt?
Die erste Zahl, die bei einem Firmenkauf genannt wird, ist meistens der Kaufpreis.
Angenommen, ein Unternehmen wird für 250.000 Euro angeboten. Auf den ersten Blick könnte man davon ausgehen, dass genau dieser Betrag finanziert werden muss.
In der Praxis sollte die Rechnung weitergehen.
Möglicherweise müssen nach der Übernahme Maschinen ersetzt, Fahrzeuge angeschafft oder Geschäftsräume renoviert werden. Vielleicht benötigt das Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter oder mehr Geld für Marketing und Vertrieb. Auch laufende Kosten müssen bezahlt werden, während sich der neue Eigentümer in den Betrieb einarbeitet.
Deshalb sollte vor der Finanzierung zunächst der gesamte Kapitalbedarf ermittelt werden
Kaufpreis und Kapitalbedarf sind nicht dasselbe
Das lässt sich an einem einfachen Beispiel zeigen.Ein Käufer übernimmt einen Betrieb für 200.000 Euro.
Zusätzlich plant er:
- 25.000 Euro für neue Maschinen und Ausstattung
- 15.000 Euro für Renovierung und technische Anpassungen
- 10.000 Euro für Marketing und neuen Webauftritt
- 30.000 Euro als Liquiditätsreserve
Natürlich sieht jede Übernahme anders aus. Das Beispiel zeigt aber, warum Käufer nicht ausschließlich über die Finanzierung des vereinbarten Kaufpreises nachdenken sollten.
Eigenkapital beim Firmenkauf
Eigenkapital ist der Teil der Finanzierung, den der Käufer selbst einbringt.Wie viel Eigenkapital erforderlich ist, lässt sich nicht pauschal für jeden Unternehmenskauf festlegen. Banken und andere Finanzierungspartner betrachten den konkreten Käufer und das zu übernehmende Unternehmen.
Relevant können unter anderem Kaufpreis, Ertragslage, vorhandene Sicherheiten, Erfahrung des Käufers und die geplante Finanzierungsstruktur sein.
Mehr Eigenkapital kann die Fremdfinanzierung erleichtern. Ein niedriger Eigenkapitalanteil bedeutet aber nicht automatisch, dass eine Unternehmensübernahme ausgeschlossen ist.
Entscheidend ist das Gesamtbild.
Bankfinanzierung
Ein klassisches Bankdarlehen kann einen wesentlichen Teil der Finanzierung einer Unternehmensübernahme darstellen.Für die Bank ist dabei nicht nur die Bonität des Käufers interessant.
Sie möchte insbesondere verstehen, ob das übernommene Unternehmen künftig ausreichend Ertrag erwirtschaften kann, um die Finanzierung zu tragen.
Dafür werden normalerweise verschiedene Unterlagen und Informationen benötigt.
Dazu können beispielsweise Unternehmenszahlen der vergangenen Jahre, Business- und Finanzplanung, Informationen zum Kaufpreis sowie Angaben zum Käufer gehören.
Je besser die geplante Übernahme wirtschaftlich nachvollziehbar dargestellt werden kann, desto besser lässt sie sich auch gegenüber Finanzierungspartnern erklären.
Verkäuferdarlehen: Wenn der Verkäufer einen Teil finanziert
Ein Verkäuferdarlehen kann ein interessanter Bestandteil der Finanzierung sein.Dabei erhält der Verkäufer nicht den gesamten Kaufpreis unmittelbar bei der Übernahme.
Stattdessen wird ein vereinbarter Teil später beziehungsweise über einen bestimmten Zeitraum bezahlt.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Kaufpreis: 300.000 Euro Eigenkapital: 60.000 Euro Bankfinanzierung: 180.000 Euro Verkäuferdarlehen: 60.000 Euro
Die konkrete Gestaltung – etwa Laufzeit, Zinsen, Tilgung und Sicherheiten – muss zwischen den Beteiligten vereinbart und rechtlich beziehungsweise steuerlich sauber umgesetzt werden.
Ein Verkäufer ist selbstverständlich nicht verpflichtet, eine solche Finanzierung anzubieten.
Warum kann ein Verkäuferdarlehen interessant sein?
Für den Käufer kann es den unmittelbar benötigten Finanzierungsbetrag reduzieren.Für Finanzierungspartner kann es außerdem relevant sein, dass der bisherige Eigentümer einen Teil des Kaufpreises nicht sofort verlangt.
Aus Sicht des Verkäufers entsteht allerdings ein zusätzliches Risiko: Ein Teil des Kaufpreises wird erst in Zukunft gezahlt.
Deshalb müssen die Interessen beider Seiten berücksichtigt werden.
Ein Verkäuferdarlehen sollte nicht als einfache Möglichkeit verstanden werden, fehlendes Eigenkapital beliebig zu ersetzen.
Kaufpreis in Raten bezahlen
Neben einem klassischen Verkäuferdarlehen können Käufer und Verkäufer weitere Zahlungsmodalitäten vereinbaren.So kann beispielsweise ein Teil des Kaufpreises bei der Übergabe und ein weiterer Teil zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden.
Auch erfolgsabhängige Kaufpreisbestandteile können bei bestimmten Transaktionen eine Rolle spielen.
Hierbei kann beispielsweise vereinbart werden, dass ein Teil der Zahlung von einer zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung abhängt.
Solche Vereinbarungen können allerdings rechtlich und wirtschaftlich komplex sein. Die konkrete Vertragsgestaltung gehört deshalb in professionelle Hände.
Fördermöglichkeiten bei einer Unternehmensübernahme
Unternehmensnachfolgen können grundsätzlich auch im Rahmen verschiedener öffentlicher Finanzierungsprogramme relevant sein.Welche Programme tatsächlich infrage kommen, hängt unter anderem vom konkreten Vorhaben, Investitionszweck, Käufer und Zeitpunkt der Antragstellung ab.
Förderdarlehen bedeuten außerdem nicht automatisch, dass eine Finanzierung bewilligt wird.
Die Voraussetzungen des jeweiligen Programms sowie die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Vorhabens müssen erfüllt sein.
Deshalb sollte die Finanzierung möglichst vor verbindlichen Entscheidungen geplant und mit den zuständigen Finanzierungspartnern abgestimmt werden.
Wie beurteilt eine Bank eine Unternehmensübernahme?
Eine Bank betrachtet normalerweise nicht nur eine einzelne Zahl.Für die Finanzierung sind sowohl das Unternehmen als auch der Käufer relevant.
Beim Unternehmen können beispielsweise folgende Fragen eine Rolle spielen:
Wie haben sich Umsatz und Ergebnis entwickelt?
Wie stabil ist der Kundenstamm?
Welche Investitionen stehen an?
Welche bestehenden Verpflichtungen gibt es?
Kann das Unternehmen Zins und Tilgung aus seinem zukünftigen Cashflow tragen?
Beim Käufer wiederum können berufliche Erfahrung, Eigenmittel, Bonität und Kenntnisse der Branche eine Rolle spielen.
Wer beispielsweise einen spezialisierten Betrieb übernehmen möchte, sollte nachvollziehbar erklären können, wie dieser nach dem Ausscheiden des bisherigen Eigentümers weitergeführt werden soll.
Die monatliche Belastung muss zum Unternehmen passen
Ein Finanzierungsangebot kann auf dem Papier möglich sein und trotzdem wirtschaftlich problematisch werden.Der Betrieb muss nach der Übernahme nicht nur seine bisherigen Kosten tragen.
Zusätzlich können Kreditraten, Investitionen und möglicherweise ein angemessenes Einkommen des neuen Eigentümers hinzukommen.
Deshalb sollte vor der Übernahme berechnet werden, welche monatliche Belastung das Unternehmen tatsächlich verkraften kann.
Eine Finanzierung sollte nicht darauf basieren, dass ab dem ersten Monat alles optimal läuft.
Ein gewisser finanzieller Puffer kann gerade während der Übergangsphase wichtig sein.
Liquiditätsreserve einplanen
Dieser Punkt wird bei der Planung leicht unterschätzt.Nicht jede Rechnung wird sofort bezahlt. Gleichzeitig müssen Löhne, Miete, Versicherungen und andere Kosten regelmäßig beglichen werden.
Auch unerwartete Ausgaben können auftreten.
Eine Maschine fällt aus. Ein wichtiger Kunde zahlt später. Ein Fahrzeug muss repariert werden.
Wenn die gesamte verfügbare Liquidität bereits für den Kaufpreis eingesetzt wurde, können solche Situationen schnell problematisch werden.
Die benötigte Reserve hängt vom jeweiligen Unternehmen und seiner Kostenstruktur ab.
Erst Unternehmenszahlen prüfen, dann Finanzierung aufbauen
Eine Finanzierung sollte nicht losgelöst vom Unternehmen geplant werden.Wenn der Kaufpreis beispielsweise 300.000 Euro beträgt, bedeutet das nicht automatisch, dass eine Finanzierung über 300.000 Euro wirtschaftlich sinnvoll ist.
Zuerst sollte geprüft werden, welche Ertragskraft das Unternehmen besitzt und welche zukünftigen Belastungen realistisch getragen werden können.
Hier besteht eine direkte Verbindung zur Unternehmensbewertung.
→ Interner Link zu Beitrag 2: „Was ist ein Unternehmen wert? Unternehmensbewertung beim Firmenkauf“
Erst wenn die wirtschaftliche Ausgangslage verstanden ist, kann eine passende Finanzierungsstruktur entwickelt werden.
Was sollte vor dem Finanzierungsgespräch vorbereitet werden?
Eine gute Vorbereitung erleichtert Gespräche mit Banken und anderen Finanzierungspartnern.Je nach Vorhaben können insbesondere Informationen zum Käufer, Unternehmenszahlen, Kaufpreis, geplante Investitionen und eine Finanzplanung benötigt werden.
Auch sollte nachvollziehbar sein, warum gerade dieses Unternehmen übernommen werden soll und wie es nach der Übergabe weitergeführt wird.
Ein Finanzierungspartner möchte letztlich verstehen, wie aus dem geplanten Firmenkauf ein wirtschaftlich tragfähiges Vorhaben werden soll.
Was passiert, wenn der Verkäufer einen sehr hohen Kaufpreis verlangt?
Finanzierung und Unternehmensbewertung hängen eng zusammen.Eine Bank finanziert nicht automatisch jeden Kaufpreis, nur weil Käufer und Verkäufer sich darauf geeinigt haben.
Wenn der verlangte Preis wirtschaftlich nicht zu den Unternehmenszahlen passt, kann das die Finanzierung erschweren.
Deshalb sollte die Reihenfolge nicht lauten:
Unternehmen finden → Preis akzeptieren → Finanzierung suchen.
Sinnvoller ist:
Unternehmen verstehen → Zahlen prüfen → Kaufpreis einordnen → Kapitalbedarf berechnen → Finanzierung strukturieren.
Fazit: Finanzierung als Teil der Übernahme planen
Bei einem Unternehmenskauf geht es nicht darum, irgendwie genügend Geld für den Kaufpreis zusammenzubekommen.Die Finanzierung muss zum Unternehmen passen.
Eigenkapital, Bankdarlehen, mögliche Förderfinanzierungen und Verkäuferdarlehen können – je nach Fall – miteinander kombiniert werden. Gleichzeitig sollten Investitionen und eine ausreichende Liquiditätsreserve berücksichtigt werden.
Entscheidend ist, dass das Unternehmen nach der Übernahme genügend finanziellen Spielraum behält und die laufenden Verpflichtungen tragen kann.
Deshalb sollten Unternehmensprüfung, Kaufpreis und Finanzierung gemeinsam betrachtet werden.
Sie planen einen Firmenkauf?
TEX AGENTUR unterstützt Käufer bei der Vorbereitung einer Unternehmensübernahme – von der Definition des Suchprofils und der Unternehmenssuche bis zur Strukturierung des Vorhabens und der Koordination der nächsten Schritte.Bei Finanzierungs-, Steuer- und Rechtsfragen werden je nach Projekt Banken sowie entsprechend qualifizierte Fachberater eingebunden.
Unternehmensübernahme besprechen
FAQ
1. Kann man ein Unternehmen ohne Eigenkapital kaufen?
2. Was ist ein Verkäuferdarlehen beim Firmenkauf?
3. Kann die KfW einen Unternehmenskauf finanzieren?
4. Kann der Kaufpreis in Raten bezahlt werden?
5. Wie viel Liquiditätsreserve brauche ich nach der Übernahme?
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